Von Damals bis Heute


bis 1940

Schon in den 40-er Jahren war der kleine See in der Lasörling-Gruppe für viele Einheimische eine beliebte Bergtour. Anfang des vorigen Jahrhunderts erkannte in dieser Region jedoch noch niemand die touristischen Werte, welche so ein kleiner Fleck bietet. Nur so ist heute verständlich, dass zB der kleine See von seinem Besitzer eingetauscht wurde, zwar nicht für viel Geld oder Grund und Boden, sondern gegen - für damalige Verhältnisse - sehr wertvollen "Sporn-Stab". Dabei handelt es sich um eine Gehhilfe aus Haselnussholz mit einer geschmiedeten Spitze in der Länge von 2,0 m und länger. Auch heute ist diese Gehhilfe noch sehr beliebt, jedoch besser bekannt unter dem Namen "Alpenstange". So blieb das südliche Seitental von Prägraten als Jagd- und Weidegebiet den wenigen Einheimischen vorbehalten sowie den Prägratner Bauern, welche unter unvorstellbarem Aufwand alle Wiesenhänge (bis zu 65 Grad steil) mit der Hand mähten und das Heu im Winter - oft unter Lebensgefahr - ins Tal brachten.

1940er Jahre

Ende der 1940er Jahre begannen einige Prägratner Tourismuspioniere darüber nachzudenken, wie man dieses schöne Tal zB mit einer kleinen Schutzhütte den damals noch vereinzelten Gästen schmackhaft machen konnte. In vielen Köpfen träumte man zwar von der Hütte am kleinen Bergsee, jedoch gab die damalige Armut niemandem die Möglichkeit, zum Bau einer Hütte.

1950er Jahre

Um 1950 herum wagte sich Unterwurzacher Alois, unter Mithilfe von einigen Prägratner’n, in diesem wunderschönen Ambiente eine kleine Hütte aus Stein und Lehm zu errichten. Sie bekam den durchaus passenden Namen BERGERSEE-HÜTTE und wurde 1956 das erste mal bewirtschaftet. Herr Unterwurzacher Alois tauschte jedoch aus gesundheitlichen Gründen die Hütte gegen ein Objekt in Prägraten. Der neue Besitzer war mein Vater, Johann Unterwurzacher - "Cafe-Hansl", welcher im Tal zugleich auch ein Kaffeehaus führte.

1960er Jahre

Die 1960 Jahre waren geprägt vom langsam beginnenden touristischen Aufschwung in der Region. Es kamen immer mehr Gäste in das schöne Virgental und es wurde im alpinen Bereich viel an der Infrastruktur gearbeitet. Im gesamten Alpenraum begann man mit dem Ausbau von Wegen und Übergängen, um Gästen aus Allerherren-Länder Einblick in unsere herrliche Bergwelt zu gewähren. Schon bald erkannte mein Vater, dass die Hütte zu klein und auch zu baufällig war, um die Gäste mit dem Notwendigsten zu versorgen. Die ersten Gedanken über einen Neubau wurden gemacht.

1970er Jahre

Die stets wachsende Zahl an Urlaubern und der touristische Aufschwung in Prägraten ermöglichte meinem Vater, den Neubau auf 2182 m. 1972 wurden alle Planungsarbeiten abgeschlossen und 1973 begann man im Frühjahr in "Teisler-Säge" mit dem Herausschneiden des benötigten Holzes sowie der provisorischen Aufstellung auf dem "Teisler-Feld". Im September 1973 flogen Hans Knaus und Heinz Kollowrath mit einer Ecuril 208 - Firma HELI-Austria - Arbeiter, Werkzeug sowie das gesamte Bauholz auf 2.182 m hinauf. In diesem Monat wurden unglaubliche 35 Tonnen benötigtes Material per Hubschrauber zur Hütte befördert. Aus gesundheitlichen Gründen "managte" meine Mutter Aloisia die Baustelle vor Ort und mein Vater blieb im Talbetrieb. Ungefähr 6 Wochen benötigten einige kräftige Prägratner zur Aufstellung der Hütte, obwohl sie des öfteren von Frau Holle überrascht wurden und es in 24 Stunden sogar 70 cm Neuschnee gegeben hatte. Dass bei dieser Arbeit die Gaudi nicht zu kurz kam, dafür sorgten G’schichtln, die heute noch am Stammtisch die Runde machen so z.B. jenes von der "vollen Hosen". Wer die ganze Story original hören möchte, kann sich vor Ort bei "Stoana Michl" oder "Bocha Gaba" informieren. Nichtsdestotrotz konnten die Bauarbeiten an der Hütte am 13. November 1973 beendet werden. 

1974 - Das Jahr der Wiedereröffnung

Das Jahr 1974 begann für uns mit einem herben Schicksalsschlag: Im Juni sollte die Hütte eingeweiht und in Betrieb gehen, jedoch erlag mein Vater 4 Wochen vor der Feierlichkeit einer heimtückischen Krankheit. So wurde aus dem Sonnenjahr 1974 ein Jahr der Verzweiflung für meine Mutter. Sie war gezwungen für die neu errichtete Hütte einen Pächter zu suchen, da sie selbst im Cafè TIROL, welches inzwischen zu einem Gasthof mit 40 Betten gewachsen war , die Arbeit verrichten musste. Auch für ihre 3 Kinder mußte sie -nun alleine- die Erziehung übernehmen und fühlte sich folglich außer stande, beide Betriebe alleine zu führen. Gott sei Dank war es möglich, dass meine Tante Paula kurzfristig einsprang und die Hütte für neun Jahre bewirtschaftete.

1980er Jahre

1984 war das Jahr, in dem ich erstmals mit meiner Schwester Monika die Hütte führte. Auch die neun Jahre Verpachtung hatten Spuren hinterlassen. Zudem tat ein Lawinenabgang Ende der 70-er Jahre direkt in den Gastraum sein Übriges. Wir rafften uns auf und investierten wieder eine Menge Geld in die Renovierung der Hütte: So zB wurde die Hütte mit neuen Schlafplätzen ausgestattet, neue Sanitär- und WC-Anlagen installiert und sogar ein E-Werk wurde gebaut, welches die Leistung von 25 KW bringt.

 

1988 entschloss man sich im Virgental, eine gemeinsame Werbelinie zu verfolgen. Es kam zur Geburt des "VIRGENTALER-HÜTTENWIRTE STAMMTISCHES", dem ich seit seiner Gründung angehöre. Inzwischen hat der Virgentaler-Hüttenwirte Stammtisch über 100.000 Prospekte in alle Welt verteilt und eine Werbestrategie – gemeinsam mit 21 Hüttenwirte-Kollegen aus dem gesamten Virgental – aufgebaut, um die wir vielerorts beneidet werden. So zB konnten wir 1998 das "1. VIRGENTALER-HÜTTENWIRTE-FEST" feiern, bei welchem als Höhepunkt der Alpinist und Extrembergsteiger Hans Kammerlander einen wunderbaren Vortrag über seine Erfahrungen im alpinistischen Bereich hielt.

2000er Jahre

Das neue Jahrtausen war geprägt von dem Ende der Achtziger Jahre einsetzenden Rückgang der Nächtigungszahlen. Im Frühjahr 2001 wurde die Hütte schließlich von einer Lawine getroffen und einige Zentimeter weit verschoben: undichte Fenster- und Türrahmen sowie ein spürbarer Luftzug im Inneren waren die Folge. Wenn man aber die Sajathütte im gegenüberliegenden Sajatkar denkt, welche von einer Lawine komplett zerstört wurde, kamen wir milde davon. Die Hütte hatte seit der letzten Renovierung auch schon wieder einige Jahre auf dem Rücken, zudem musste man nun neuen Herausforderungen gerecht werden. So begann man sich wieder über einen Umbau Gedanken zu machen.

2010er Jahre

2010 wurden dann die ersten Pläne in die Tat umgesetzt. Die Hütte wurde komplett neu gedämmt und verkleidet. Auch die undichten Fenster wurden durch moderne, dreifachverglaste Fenster ausgetauscht. Dabei wurde auch der Gastraum umgestaltet und die Küche erweitert. 2011 folgte dann wegen neuen gesetzlichen Vorschriften die Installation einer biologischen Kläranlage. Bei dieser Gelegenheit wurde auch ein größerer Wasserspeicher bei der Wasserquelle eingebaut.

 

2014 wurde die Hütte um 2 Zimmer mit Bergblick erweitert. Damit reagierte man auf den gestiegenen Komfortbedarf der Gäste und dem Wunsch nach familienfreundlicher Unterbringung.